Haaner Kerbborsche 1959

Haaner Kerbborsche 1959 | © unbekannt
Haaner Kerbborsche 1959 | © unbekannt

Haaner Kerbborsche 1959 -Jahrgang 1940- im Jahr 2009 fünfzig Jahre Kerbborsche

von Karl Heinz Winkel

Im Jahr 2009 feiert der Jahrgang 1940 sein 50. Jubiläum als Kerbborsche. Die Erinnerung an die Kerb vor 50 Jahren und unsere Kerbborschezeit wollen wir mit diesem Artikel wachrufen, denn damals war doch einiges anders als heute.

27 Kerbborsche
27 junge Männer (eine stattliche Zahl) des Jahrgangs1940 hatten sich schon 1958 zusammengefunden, um sich auf die Haaner Kerb vorzubereiten und die Kerb zu organisieren. Zum Kerbvadder wurde Bernd Jost gewählt, sein Stellvertreter war Karl Heinz Winkel, dem „Korbborschevorstand“ gehörten weiter an Gerd Kiefer als Schriftführer und Karlheinz Lenhard als Rechner. Wir waren alle 18 und 19 Jahre alt, aber nicht volljährig, volljährig wurde man zur damaligen Zeit erst mit 21 Jahren.

Kerbplatz war der Lindenplatz
Der Kerbplatz war damals am Lindenplatz (heute Dreieich Platz) und an Angeboten gab es das Karussell der Familie Schneider (heute Haaner Karussell) , eine Schießbude, eine Losbude und eine Bude mit Süßigkeiten. Ansonsten spielte sich die Kerb hauptsächlich in den Haaner Wirtschaften ab. Die Eröffnung der Kerb war am Pfingstsamstag.

Kerblokal
Die Kerbburschen hatten ein Stammlokal. Ein Kerbburschen-Camp kannte man noch nicht. Die Kerbburschen schliefen in ihrem Elternhaus und trafen sich jeden Morgen in ihrem Kerblokal zum Frühstück.
Unser Kerblokal im Jahr 1959 war das Gasthaus „Zur Krone“ in der Fahrgasse.

Kerbverlauf
Am Freitag begannen wir mit dem Schlagen der jungen Birken („Kerbbeem“) und dem Fällen des Kerbbaums. Hierbei hatten wir besonderes Pech – es regnete in Strömen und beim Fällen des Kerbbaums brach dessen Spitze ab, so dass wir einen zweiten Kerbbaum „umlegen“ mussten.
Am Samstag wurden in Dreieichenhain von einem Teil der Kerbborsche die „Kerbbeem“ verkauft und die anderen gingen zum Sammeln in die Häuser. Meistens bestand die Spende aus Eiern und wir hatten über 800 Eier gesammelt. Deshalb gab es zum Frühstück jeden Morgen Eier mit Speck ,das die Haaner Wirte für die Kerbburschen zubereiteten.
Am Samstag Nachmittag wurde dann der Kerbbaum aufgestellt. Der Baum wurde mit dem Pferdefuhrwerk von Philipp Beck vom Wald in die Fahrgasse gefahren und vor dem Kerblokal, dem Gasthaus „Zur Krone“, aufgestellt. Dies erwies sich in der engen Fahrgasse als äußerst schwierig und wir schlugen dabei eine Fensterscheibe ein. Eine professionelle Hilfe gab es zu der Zeit nicht, dies mussten die Kerbborsche alleine erledigen.

Erster Kerbborsche-Ball
Am Samstag Abend war dann Kerbborsche-Ball im Kronesaal. Es gab zwar schon immer einen Kerbtanz, meist im Burgcafe Frey am Weiher, aber einen Kerbborsche- Ball hatte es bisher in Dreieichenhain noch nicht gegeben. Wir hatten die Tanz- und Showband „Unisono“ engagiert, damals eine der bekanntesten Kapellen im Rhein/ Main-Gebiet. Der Kerbborsche-Ball wurde ein toller Erfolg und der Kronesaal, im ersten Stock der Krone, war mehr als proppenvoll.

Am Pfingstsonntag und Pfingstmontag zogen wir dann, Kerblieder singend, durch Dreieichenhain, besuchten den Kerbplatz und die Haaner Wirtschaften und sorgten mit unseren Liedern für gute Stimmung in den Lokalen.
Natürlich wurde von den Kerbburschen auch eifrig getrunken und gegessen. Wir hatten ein besonderes Zahlungsmittel, nämlich die sog. Biermarken, kleeblattförmige ca. 2 cm große Metallplättchen, die einen Wert von 30 Pfennigen hatten (soviel kostete damals ein kleines Bier).
Jeden Morgen gingen die Rechner der Kerbburschen dann von Lokal zu Lokal, zählten bei den Wirten die Biermarken und zahlten die Wirte aus.

Am Kerbdienstag war in Dreieichenhain traditioneller Frühschoppen in allen Wirtschaften. Danach wurden von uns die Strohkreuze für die Kerbverbrennung gebaut.
Die Kerbverbrennung war immer am Mittwoch. Ort der Kerbverbrennung war zur damaligen Zeit der Platz vor dem Alten Friedhof – Ecke Trift, Waldstraße und Langener Straße (heute Koberstädter Straße) Zur Kerbverbrennung spielte der Haaner Musikverein, die Kerbrede 1959 hielt Karl Heinz Winkel. Wie heute sprangen die Kerbburschen über die Reste der brennenden Strohkreuze. Nach der Kerbverbrennung zog man unter den Klängen des Musikvereins (traditionell wurde hier das Lied „Die Atzel scheißt vom Baam“ gespielt) zum damaligen Gasthaus „Zu den drei Eichen“, neben der Volksbank Dreieich, wo im kleinen Saal mit Musik und Tanz die Kerb ausklang.

Eine Woche nach der Kerb war dann die „Nachkerb“, und danach wurde der Kerbbaum vor dem Gasthaus „Zur Krone“ abgebaut, wobei noch einmal alle Kerbburschen aktiv waren.
Damit war unsere Kerbburschen-Zeit offiziell zu Ende – es gab allerdings noch ein Nachspiel:

Strafverfügung
Im August 1959 erhielt der Vorstand der 59er Kerbborsche eine Strafverfügung des Amtsgerichts Langen. Wegen wilden Plakatierens an Platanen in der Bahnstraße in Langen erhielten die 4 Vorstandsmitglieder je eine Strafe von 15.- DM und 3.- DM Bearbeitungsgebühr oder ersatzweise 3 Tage Haft!
Wir legten Widerspruch gegen die Strafverfügung ein und boten an, eine Bank für die Bürger Dreieichenhains zu stiften. Dank der Unterstützung des damaligen Dreieichenhainer Bürgermeister Wilhelm Stroh wurde das Strafverfahren niedergeschlagen. Wir mussten keine Strafe zahlen, dafür aber eine Bank spenden. Die Bank wurde von den Handwerkern der 59er Kerbburschen selbst gebaut und steht heute noch im Hainer Wald an der Breiten Haagwegschneise.

Zeit bis zum Bieranstich 2018:

179 Tage - 8 Std. 33 Min.

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